Der grosse Umbruch in der Automobil-Branche (1/3)

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Die Automobil-Branche befindet sich in einem grossen Umbruch und erfindet sich gerade selbst neu.

Dabei sind die Veränderungen, welche teilweise bereits im Gang sind und noch vermehrt kommen werden, vielschichtiger und tiefgreifender als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Futuristisches Auto – Bild von Paolo Lopez auf Pixabay

Alle Veränderungen haben direkt und indirekt mit der Digitalisierung zu tun. Auto-Hersteller, welche sich nicht damit beschäftigen, werden in nicht allzu ferner Zukunft ein Problem bekommen.

Ich kategorisiere die Veränderungen in folgende drei Themen:

  • Auto – Die Veränderungen am Auto selbst
  • Verkaufsstrukturen – Neue Wege beim Auto-Verkauf
  • Geschäftsmodell – Mit dem Fahrzeug-Verkauf ist das Geldverdienen nicht abgeschlossen

Dabei sind die Grenzen zwischen diesen drei Punkten nicht immer ganz klar und es gibt Überschneidungen.
In vorliegenden und zwei weiteren Blogbeiträgen gehe ich auf diese drei Punkte im Detail ein. Betrachten wir nun in einem ersten Schritt die Veränderungen am Auto selbst etwas genauer.

Auto – Die Veränderungen am Auto selbst

Wenn Sie 20 Jahre zurück denken und die Autos von damals mit den heute neuen Autos vergleichen: Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Veränderungen?

Hier eine Auswahl solcher Veränderungen, die Sie möglicherweise nennen würden:

  • Digitale statt analoge Cockpits
  • Bessere Navigation, bessere Echtzeit-Verkehrs-Infos
  • Ganz viele Assistenten welche Komfort und Sicherheit erhöhen
  • Bessere Konnektivität (Verbindung Smartphone mit dem Auto)
  • Elektromobilität – Ersatz vom Verbrennungsmotor durch Elektroantrieb
  • Autonom fahrende Autos

Alle diese Elemente wären ohne Digitalisierung nicht möglich!
Überall sind Sensoren und Kameras verbaut, ausgeklügelte Hardware/Elektronik und noch viel ausgeklügeltere Software oder gar künstliche Intelligenz ermöglichen Funktionen und Assistenten welche früher undenkbar waren.

Vor 20 Jahren gab es vieles davon noch nicht!

 

“Digital” bedeutet noch nicht revolutionär

 

Viele dieser Punkte mögen revolutionär erscheinen. Tatsächlich kann man die oben erwähnten Punkte als normale Weiterentwicklung des Produkts Auto betrachten.
Immer schon wurden die jeweils neusten Technologien auch in die Autos verbaut. Das ist die “normale Evolution” des Autos, auch wenn da digitale Elemente enthalten.

Software-Updates verändern das Auto am stärksten

Die revolutionärste Komponente an den heutigen Autos ist die Möglichkeit des Software-Updates, bzw. die daraus entstehenden Möglichkeiten.
Die Software wird permanent weiter entwickelt und bei modernen Autos ist ein regelmässiges Software-Update, ähnlich wie beim Smartphone, selbstverständlich.
Und da beginnt es spannend zu werden!

Viele Zulieferer – wenig Agilität

Traditionell gibt es in der Automobil-Branche unglaublich viele Zulieferer.
Wenn wir ein typisches Auto einer deutschen Premium-Marke betrachten, dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Klimaanlage inkl. Steuerung, die elektrischen Sitze inkl. Steuerung, das Infotainment-System inkl. Steuerung, das ABS inkl. Steuerung, und viele weitere Komponenten von unterschiedlichen Lieferanten kommen.
Anders formuliert: In einem Auto gibt es viele Komponenten mit eigenen Steuereinheiten und jeweils einer eigenen Software.

Gemäss t3n kommt ein typisches Premium-Auto auf 70 verschiedene Steuergeräte mit acht unterschiedlichen Betriebssystemen.

Um mit diesem Konstrukt von vielen Lieferanten, Systemen und Schnittstellen ein neues Auto zu planen ist aufwändig. Bis alle Komponenten und fehlerfrei und einwandfrei miteinander interagieren, dürfte es eine grosse Herausforderung sein.

Anpassungen wird man so wenig wie möglich bzw. so viele wie nötig vornehmen.
Regelmässige Software-Updates wird man tunlichst vermeiden!

Agilität durch Software-Ownership

Der Autobauer Tesla geht dafür einen anderen Weg und auch traditionelle Auto-Hersteller werden diesen Weg ebenfalls einschlagen müssen.
Bei Tesla gibt es eine zentrale Steuereinheit, welche alle Komponenten steuert. Diese Software wird von Tesla selbst entwickelt.
Auf diese Weise kann die Software des Autos unter einem Dach und ohne Abhängigkeiten von Lieferanten ständig weiter entwickelt werden.

Eine coole Idee kann relativ einfach und schnell umgesetzt werden. Die Entwicklung, aber auch die Weiterentwicklung des Autos ist agil und schneller.
Der Technologie-Vorsprung kann weiter ausgebaut werden.

Ein Hersteller, welcher wie im oben beschriebenen Fall ein Auto mit 70 Steuergeräten beherrschen muss, kann da nicht mithalten.

Software wird wichtiger als Hardware

Mit dieser Agilität und regelmässigen Software-Updates kann ein Hersteller, seine bereits verkauften Fahrzeuge permanent updaten.
Diese Updates bedeuten auch, dass ein wichtiger Teil des Fahrzeugs nicht oder weniger schnell altert. Dies könnte sich dann z.B. im Wiederverkaufswert spiegeln.

Wichtige Funktionen werden bei neuen Autos teilweise nicht angeboten. Es wird versprochen diese dann nachzuliefern. D.h. die Time-to-Market kann reduziert werden.

Neue Funktionen können unter Umständen in den bereits verkauften Fahrzeugen zusätzlich zum Verkauf angeboten werden. Neue bzw. zusätzliche Erlösströme sind somit möglich.

Das eigentliche Auto, die Hardware, rückt immer mehr in den Hintergrund.
Ein Autobauer der Zukunft muss im Kern ein Software-Unternehmen sein!
Ist das nicht so, wird es längerfristig sehr schwierig.


Übersicht der drei Teile dieses Blogbeitrag-Serie zum Thema “Der grosse Umbruch in der Automobil-Branche”:

  • Teil 1: Auto – Die Veränderungen am Auto selbst
  • Teil 2: Verkaufsstrukturen – Neue Wege beim Auto-Verkauf
    (erscheint in den folgenden Tagen)
  • Teil 3: Geschäftsmodell – Mit dem Fahrzeug-Verkauf ist das Geldverdienen nicht abgeschlossen
    (erscheint in den folgenden Tagen))


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1 KOMMENTAR

  1. Nun ja, bei der fehlenden Agilität ist nicht die große Zahl der Zulieferer das Problem – ganz im Gegenteil. Aber das Mindset der Autohersteller, dass ein Zulieferer ein austauschbares Rädchen ist, dass der Zulieferer immer nur als Knecht betrachtet wird, auf dessen Schultern man die eigene Unfähigkeit abladen kann, das ist das Problem. Hier muss erst mal das Verständnis der Top-Manager entstehen, dass Softwarebusiness mit anderen Regeln gespielt wird wie bisher, dass man mit den Zulieferern partnerschaftlich und wertschätzend umgehen muss. Weiterhin müssen die hierarchischen Silos bei den Herstellern aufgebrochen werden – was aber die Entmachtung von vielen “Funktionären” in den Unternehmen bedeutet, die eigentlich nichts wertschöpfendes beitragen – und die deshalb den Wandel der Strukturen zu verhindern versuchen.

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