Schweizer E-Commerce wächst 2012 um 12%

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Schweizer E-Commerce wächst 2012 um 12%

Heute publizierte der Verband des Schweizer Versandhandels in Zusammenarbeit mit der GfK die Zahlen zum Schweizer Online- und Versandhandel 2012.

Online- und Versandhandel wachsen schneller als der übrige Detailhandel

Der Schweizer Detailhandel tritt mehrheitlich an Ort und kann sich nur noch marginal steigern. Ganz anders sieht es im Online-und Versandhandel aus. Dort konnten die reinen B2C Versandhandels- und Onlineanbieter aus der Schweiz um 9.1% zulegen.

Es findet damit eine weitere Verschiebung der Marktanteile zu Gunsten Versandhandel statt und primär die E-Commerce Anbieter nehmen dem stationären Handel weitere Umsatzpotentiale weg.

Online- und Versandhandel wachsen schneller - Quelle: VSV/GfK

Online- und Versandhandel wachsen schneller – Quelle: VSV/GfK

E-Commerce wächst auf CHF 4.7 Mrd (+ 12%) – Versandhandel über traditionelle Bestellwege schrumpft auf CHF 1 Mrd.

Die im vergangenen Jahr online erzielten Umsätze mit Waren beliefen sich im vergangenen Jahr auf CHF 4.7 Mrd. Im Gegensatz zur der Erhebung der HSG sind in den VSV/GfK Zahlen keine Services und digitalen Güter enthalten sondern nach eigene Definition nur effektive Waren:

„Online- und Versandhandel umfasst alle Verkaufstransaktionen welche online, per Telefon oder schriftlich eingeleitet und wo Ware vom Verkäufer zum Kunden transportiert wird oder der Kunde die Ware aufgrund einer Bestellung an einem vereinbarten Ort abholt.“

Diese CHF 4’700 Millionen enthalten u.a.

  • CHF 850 Mio. von Auktionshäusern und Tauschbörsen, in der Schweiz vornehmlich Ricardo und eBay. Hier gab es mutmasslich nur Verschiebungen von Marktanteilen, denn der Gesamtmarkt in diesem Segment hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht verändert.
  • CHF 600 Mio. aus Importen aus dem Ausland von ausländischen Plattformen, was einer Steigerung um 50 Mio. gegenüber dem Vorjahr entspricht. Hier gilt zu berücksichtigen, dass es sich um reine Importe von Händlern handelt, die keine Niederlassung in der Schweiz haben und beispielsweise auch die Importformalitäten und MwSt dem Konsumenten überlassen wie amazon.de. Händler wie Zalando.ch werden in der Statistik dem Schweizer Markt zugerechnet.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass es anders als im benachbarten Ausland in der Schweiz (noch) keinen Amazon-Effekt gibt. Viel mehr macht der Einkaufstourismus in den stationären Handel im grenznahen Ausland den Schweizer Händlern auch im Versandgeschäft zu schaffen.

Entwicklung Marktvolumen traditionelle Bestellwege

Entwicklung Marktvolumen traditionelle Bestellwege und Online im Versandhandel 2008-2012 (in Mrd. CHF)

Weitere Verlagerung in den Onlinekanal

Die Bestellwege im Versandhandel verlagern sich weiterhin in die elektronischen Kanäle. Alleine bei den VSV-Mitgliedern beträgt der Onlineanteil bereits 61%. Gesamthaft gesehen ist beim Distanzhandel („Käufer und Verkäufer sehen sich nicht„) mit physischen Waren in der Schweiz ein Anteil von 82% zu verzeichnen.

Nach Prognose des VSV werden die aufwändigen wie auch kosteneffizienten Kanäle in naher Zukunft der Vergangenheit angehören:

B2C Bestellstruktur im Schweizer Online- und Versand - Quelle: VSV/GfK

B2C Bestellstruktur im Schweizer Online- und Versand – Quelle: VSV/GfK

Weitere ausgewählte Erkenntnisse

  • In der Schweiz gibt es wenige grosse Internet Pure Player, aber sehr viele kleine Internet-Händler
  • Die Top-10 im Schweizer Online- und Versandhandel bestreiten 39% der B2C-Umsätze
  • Die Top-20 bereits 52% der B2C-Umsätze
  • Zu den Gewinnern 2012 gehören Händler aus den Bereichen Textilien und Heimelektronik.
  • Zu den Verlieren gehören Anbieter von Produkten, welche «digitalisierbar» sind
  •  Die etablierten Händler akzeptieren den Online-Handel «zähneknirschend», hinterlassen aber laut VSV/GfK noch keine signifikanten Spuren
  • Unternehmen mit hoher Push-Intensität legen vor – reine Webpräsenz mit ein wenig Suchmaschinenmarketing und Emotionalisierung bringt Online-Shops nicht vorwärts.
  • Online ist der Normalfall – «nicht oder schlecht online» bedeutet «existiert nicht»
  • Retourenquoten (Vorjahreszahlen in Klammern)
    • Multimedia 3% (3%)
    • CD/DVD/Bücher 3% (3%)
    • Wohnen 13 (14%)
    • Textilien 39% (38%)
  • Kauf auf Rechnung ist ein Muss für jeden Onlineshop in der Schweiz
    • Rechnung 87% (88%)
    • Kreditkarte 7% (6%)
    • Debitkarte 2% (2%)
    • Vorauskasse/Nachnahme 4% (4%)

Wie in Deutschland legt der Handel auch in der Schweiz hauptsächlich online zu. Das Wachstum in der Schweiz liegt jedoch deutlich hinter demjenigen Deutschlands und macht gerade Mal dessen Hälfte aus. Dies manifestiert sich auch darin, dass in Deutschland der Versandhandel (Online und Traditionell) bereits 9.2% am Einzelhandelsvolumen ausmacht.

In der Schweiz entsprechen diese von VSV/GfK für 2012 ermittelten CHF 5.7 Mrd. lediglich 5.9% des Detailhandels von CHF 96.8 Mrd. Es gibt also noch reichlich Luft nach oben.

Und dass in naher Zukunft diese Anteile stark ansteigen werden, haben auch Studien prognostiziert wie zB der Economist. Es ist also an der Zeit, die Skalierbarkeit seiner Business-Komponenten zu gewährleisten.


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Thomas Lang

Jahrgang 1968 - Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Online-Vertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Referent an intl. Konferenzen zum Thema E-Commerce und Digitale Transformation im Handel.

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6 Kommentare

  1. She-Commerce-Studie 2013: Frauen shoppen online anders! | mcschindler.com PR-Beratung | Redaktion | Corporate Publishing

    […] boomt, das zeigen auch die neusten Zahlen zum Schweizer Online- und Versandhandel 2012, 9’500 Online-Shops gibt es allein in der Schweiz. Wussten Sie, dass über 85% der […]

  2. Altorfer

    Hallo
    danke für die Zusammenfassung dieser Studie. Es ist für mich nicht wirklich erstaunlich, dass die Anbieter digitalisierbarer Güter die Verlierer sind. Dies wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Die Statistiken zu den meistverkauften Produkten im Internet, welche an den ersten drei Stellen Bücher, CDs und Computergames zeigen, dürften bald der Vergangenheit angehören.
    Was mich erstaunt ist, dass der Erfolg im Online Verkauf lediglich von der Qualität des Onlineauftritts sowie dem Umfang Ihrer Push-Aktivitäten abhängig gemacht wird. Wie sieht es aber aus mit den Produkten selber? Wie stark spielt das Angebotssortiment und in diesem Sinne die Einzigartigkeit dieses Angebotssortimentes eine Rolle?

    beste Grüsse
    Stefan Altorfer

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