Mobile: Ist «Access» der Schlüssel zum Erfolg für «Payment»?

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Es ist nicht leicht, aktuell den Überblick über mobile Payment Lösungen zu behalten. Fast wöchentlich gesellen sich neue Player hinzu wie kürzlich in der Schweiz die Migros. Andere verschwinden wieder wie beispielsweise Wally der SBB.

Es herrscht eine eigentliche Aufbruchstimmung, und das ist gut so. Begrüssenswert ist primär auch der Mut für Experimente auch wenn dahinter natürlich knallhartes ökonomisches Kalkül steckt. Aktuell stecken die Akteure ihre Claims ab für den bevorstehende Goldrausch.

Vorreiter Mobile Commerce

Vor der Zahlung mit dem Smartphone dürfte in der Evolution das Bestellen per Smartphone gelten. Und dieses geniesst gerade in der Schweiz eine hohe Akzeptanz und Beliebtheit und dürfte im vergangenen Jahr zwischen 1 und 2 Milliarden Franken Umsatz hierzulande erzielt haben.

Dies ganz im Gegensatz zu Erkenntnissen aus der aktuellen Retail-Studie von PwC Schweiz. Darin werden ein paar aktuelle und weitestgehend bekannte Tatsachen aus dem Schweizer Einzelhandel zwar bestätigt Die Aussage jedoch, dass mobile Shopping noch alles andere als verbreitet sei, ist natürlich absurd! („When It Comes to Mobile, Swiss Are Smart Shopping, But Not Buying„).

Wer die Zahlen im Detail kennt und mit den Händlern eng zusammen arbeitet weiss, dass sich in den vergangenen 12 Monaten die Umsätze gar dramatisch Richtung Mobile verlagert haben (E-Commerce Report: Mobile ist der Wachstumstreiber). 70% der elektronischen Tickets der SBB via Mobile, 39% der Bestellungen bei LeShop, über 50% des Traffics bei Zalando (und mutmasslich der Transaktionen),  über 20% der Umsätze bei ExLibris Online, was wiederum mehr als die Hälfte des Unternehmensumsatzes ist. Dies nur ein paar aktuelle Zahlen aus der Praxis.

Sicherheit als Schlüsselfaktor

Zurück zu Mobile Payment. Es macht den Eindruck, als sei der Grossteil der Bevölkerung noch gar nicht so weit, das Smartphone auch als Zahlungsmittel akzeptieren zu wollen. Oft gehört werden Sicherheitsbedenken. Denn es geht ja hier um einen direkten Bargeld- oder anderen Zahlungsmittel-Ersatz am POS.

Dies scheint in der Wahrnehmung der Anwender (noch) riskanter eingestuft zu werden als Mobile Commerce, wo man vertraglich abgesichert ist und digitale Protokolle erstellt werden.

Was kann nun dem Mobile Payment zum Durchbruch verhelfen?

Mobile Payment und Zugangs-Systeme: Der Schlüssel zum Erfolg?
Mobile Payment und Zugangs-Systeme: Der Schlüssel zum Erfolg?

Digitaler Hausschlüssel als Steigbügelhalter für Mobile Payment?

Versetzt man sich in die Anwender und überlegt, wo die Hemmnisse sein könnten, dann landet man unweigerlich beim Verlust von Eigentum und Vermögen und damit zusammenhängend in das Vertrauen in die Technologie. Mit dem Handy zu zahlen erfordert schon einiges an Abstraktionsvermögen bzgl. Sicherheit. Doch sind wir ehrlich; ein Handy ist mehrfach gesichert mit Passworten, Fingerprint-Lesern etc. ganz im Gegensatz zum Portemonnaie.

Dennoch, in der Wahrnehmung der Anwender dürfte dies Skepsis hervorrufen. Es sei denn, man schafft es, einen weiteren Bereich der mit Sicherheit, Eigentum, Vermögen etc. mit dem Handy zu erschliessen, der weniger Abstrakt ist.

Und hierbei denke ich an Schliess-Systeme; Haustür-Schlösser, Fahrzeuge und mehr. Wird auch hier der Durchbruch erzielt, dass ich Zugang schaffen kann über das Handy ohne physische Schlüssel, so wird das Vertrauen in die Sicherheit solcher Technologien wohl frappant gesteigert werden.

Access und Monitoring als disruptive Faktoren

Der damit geschaffene kontaktlose Zugang zu persönlichem Besitz und Eigentum wird nicht nur eine dramatische Vereinfachung mit sich bringen, sondern auch die wahrgenommene Sicherheit bei den Anwendern massiv steigern können. Denn das Öffnen von Türen etc. ist weitaus simpler nachzuvollziehen als komplexe Payment-Transaktionen – erfordern anderseits jedoch ein vergleichbar hohes Mass an Vertrauen in die Sicherheit.

Kommt hinzu, dass der Access – also der Zugang zu Haus, Geschäft, Fahrzeug etc. – steuerbarer und kontrollierbarer für jeden wird.

Ich kann damit einer bestimmten Person für einen bestimmten Zeitpunkt oder -dauer Zugang gewähren und kann dies genau protokollieren. Der Reinigungskraft kann beispielsweise am Mittwochmorgen zwischen 9 und 11 Uhr Zugang gewährt werden. Dem Paketboten kann mit einem einmaligen Code Zutritt verschafft werden etc. Und alles lässt sich selbstverständlich überwachen und protokollieren. Übrigens laufen hierzu ja aktuelle Experimente mit der Paketzustellung direkt in den privaten Kofferraum.

Dies könnten Funktionen sein, die geradezu jahrhundertalte Zugangsregelungen auf den Kopf stellen durch die Möglichkeiten der Digitalisierung. Und vergessene oder verlorene Schlüssel werden der Vergangenheit angehören.

Und es könnten Funktionen sein, welche das Vertrauen in das Bezahlen mit digitalen Endgeräten drastisch erhöhen, ja geradezu alltäglich werden lassen.

Würde ich ein mobiles Payment System lancieren wollen, würde ich die Kooperation mit Schliess-System-Anbietern suchen.


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6 COMMENTS

  1. ‚Access‘ ist in der Tat der Schlüssel für einen möglichen Durchbruch bei mobile Payment. Danke, Thomas für diesen wichtigen Beitrag. Um beim Konsumenten Nutzen zu stiften, dir bei Bargeld oder Kartenzahlungen nicht so offensichtlich sind, braucht es digitale Services wie Access, Loyalty oder ‚Connected Administration‘. Anbieter, die dies in einer stimmigen User Experience auf die Reihe kriegen, werden den Markt umpflügen.

    • Danke für den Hnweis – toller Artikel von thenextweb und deckt sich mit meinen Ideen rsp. betrachtet sie noch von einer anderen Seite. Bin froh, ist unser Artikel eine Woche vorher erschienen 😉

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