Conversion&E-Business&E-Commerce 25 Jan 2012 10:45 am

Die 3D-Secure Technologie, bekannt unter den Markennamen Verified by Visa und MasterCard SecureCode, ist grundsätzlich nichts neues. Bereits im Jahr 2003 haben wir einen Fachartikel für die Netzwoche verfasst. In wenigen Worten umschrieben, geht es um folgendes:

  • Ohne 3D-Secure ist nur die Bank des Onlineshops bei Kreditkarten-Transaktionen involviert, eine Identifikation des Karten-Inhabers entfällt.
  • Mit 3D-Secure wird im Checkout-Prozess zur Prüfung auch die Bank des Kunden – die ihm die Karte ausgestellt hat – involviert zur Identifizierung.

Die Schweiz kennt das sog. 4-Parteien-System. Neben dem Händler und dem Kunden sind jeweils deren Banken involviert wobei zu beachten ist, dass die sog. Merchant- (Bank des Händlers) und Issuer-Banken (Bank des Kunden) nicht die selben sind.

Mit 3D-Secure ist im online Kreditkarten-Zahlungsprozess die Bank des Kunden fortan als zusätzliche Partei im Spiel.

Haftungsumkehr / Liability Shift

 

Erst in der jüngeren Vergangenheit wurde nun diese Technologie fast flächendeckend in der Schweiz für die Kunden aufgeschaltet, den Händlern steht sie bereits seit längerem zur Verfügung. Für den Händler ergeben sich gewisse Vorteile, insbesondere wird bei Aufschaltung von 3D-Secure die Haftung an die Bank des Kunden verlagert, der sog. Liability Shift.

Für den Kunden wird durch die Identifikation gefühlt die Sicherheit erhöht. Wie immer besteht jedoch zwischen Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit ein Trade-Off. Kommt hinzu, dass die vermeintliche zusätzliche Sicherheit vom Kunden mit der Haftungsübernahme bezahlt werden soll.

Soweit die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite jedoch ist, dass die Abbrüche im Checkout angestiegen sind mit 3D-Secure und die Kunden durch den neuen Identifikations-Schritt irritiert scheinen.

Entpuppt sich die vermeintliche zusätzliche Sicherheit als Conversion-Killer?


Bereits 2009 schrieb Peter Schüpbach von Fashionfriends in seinem persönlichen Blog unter dem Titel „VISA/Mastercard – 3d Secure Bullsh***

„Das ganze Prozedere ist eine absolute Verhinderung eines Kaufprozesses. Ich will gar nicht wissen, wie viele Nutzer da abbrechen und nie mehr die Karte benützen. Zudem ist die Art und Weise der Information der Benutzer eine absolute Katastrophe.“

Eine kurze Umfrage via Twitter, ob 3D-Secure ein Conversions-Killer sei, provozierte folgende Aussagen:

 

Ähnlich tönt es in den Callcentern und Kundendiensten bei einigen der umsatzstärksten Schweizer Onlineshops, die regelmässig mit Anfragen irritierter Kunden bzgl. 3D-Secure konfrontiert werden.

Woran liegt’s?

 

Die Kreditkarte gibt es schon um einiges länger als das Internet und sie wurde daher auch grundsätzlich nicht für den Distanzkauf konzipiert. Dennoch hat sie sich durch ihre Charakterisierung der für den Händler idR. garantierten Zahlung vor Lieferung zum Quasi-Standard im (intl.) E-Commerce entwickelt und ist bei den meisten (neuen) Onlineshops Zahlungsmittel erster Wahl, bevor man sich an andere Zahlungsmethoden wie Rechnung etc. wagt.

Einzelne Händler bestätigen zwar, dass ohne 3D-Secure das Betrugsrisiko signifikant höher sei. Doch bezahlt der Händler den zusätzlichen Schutz mit weniger Umsatz durch abgebrochene Checkouts?

Wir konfrontierten die Schweizer Payment Provider mit dieser Fragestellung. Die Postfinance konnte nach eigenen Worten keine erhöhten Abbruchquoten feststellen: Zudem wurden auch keine Volumen-Veränderungen seit Einführung von 3D-Secure registriert. Die Postfinance legt Wert auf folgende Feststellung:

“3DSecure wurde aufgrund von Kundenbedürfnissen und einer Lücke im Bereich gestohlene/verlorene Kreditkarte eingeführt. Konnten doch Dritte im Fall lost/stolen mit dieser Karte im e-commerce ohne weiteres Zahlen. Mit 3DSecure wurde diese Lücke geschlossen und die Karteninhaber sind gegen Missbrauch geschützt.

Es ist im Interesse von allen beteiligten Parteien, 3DSecure konsequent umzusetzen um dem Kartenmissbrauch im e-commerce keinen Nährboden zu bieten.”

Dem ist grundsätzlich nicht einzuwenden und Sicherheit geht vor! Ähnlich die Argumentation seitens Datatrans mit Blick auf die Sicherheit:

“Auch wir hören von höheren Abbruchquoten mit 3-D Secure. Trotzdem unterstützen und befürworten wir das Verfahren, und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Der Grossteil der Schweizer VISA- und MasterCard Karteninhaber haben sich mittlerweile für Verified by VISA/MasterCard SecureCode registriert und kennen das Verfahren.
  2. Seit der breiteren Einführung von 3D Secure sind Fraud-Fälle bei unseren Kunden massiv zurückgegangen.
  3. In Zukunft werden die statischen Passwörter wohl durch dynamische abgelöst (z.B. via SMS). Dies vereinfacht den Checkout mit 3D Secure.”

Sicherheit zu Lasten Benutzerfreundlichkeit?

 

Aber auch Datatrans sieht Optimierungspotential im Verfahren, welches man kundenfreundlicher gestalten sollte, nicht zuletzt auch, um die Conversionen nicht unnötig zu gefährden:

“Gleichzeitig sind wir der Ansicht, dass man das Verfahren weiter vereinfachten könnte – vor allem in Hinblick auf einen verstärkten Einsatz von mobilen Geräten. MasterCard schlägt mit ihrem Programm „Advanced Registration“ eine sinnvolle Lösung vor. Wir wissen allerdings nicht, wann dieses Programm im Markt eingeführt wird – ausserdem scheint VISA momentan noch keine entsprechende Regelung zu planen.”

Diese Lösung sieht vor, dass beim Anlegen des Kundenprofils im Onlineshop nur bei Ersttransaktionen das 3D-Secure-Passwort seitens des Kunden erfasst werden muss. Bei Folgetransaktionen erfolgt die Identifikation durch den Händler über das Kundenlogin, die erneute Identifikation über 3D-Secure durch die Kreditkarten-Organisation kann dann entfallen. Nicht berücksichtigt sind hierbei jedoch Gastlogins.

Ist 3D-Secure der Weisheit letzter Schluss?


Man darf hoffen, dass es dies definitiv nicht ist. Denn die aktuelle Umsetzung ist wenig benutzerfreundlich und führt wiederholt zu Kaufabbrüchen. Zudem kann sie den derzeit verbreiteten Betrugsmethode mittels Trojanern wenig entgegensetzen, da kein zweiter Kommunikationsweg ins Spiel kommt. Hier können bspw. die dynamischen Passwörter über SMS abhilfe schaffen.

3D-Secure kann daher nur eine Zwischenlösung sein – sie ist zweifelsohne in der heutigen Umsetzung mit starken Usability-Mängeln behaftet und eines dieser Übel, die man zusammen mit Captchas heutzutage den Kunden zumutet – von Technikern entwickelt die wissen, dass die Kunden deren private Adresse nicht kennen.

Conversions-Optimierer sind gefordert

 

Für die Conversion in Onlineshops heisst dies vorab, den Kunden möglichst gut zu führen und zu informieren, dass sich im Checkout seine “Hausbank” einschaltet und er sich gegenüber dieser identifizieren muss. Es gilt subtil darauf hin zu arbeiten, dass die heutige Irritation in ein gestärktes Sicherheitsgefühl transformiert werden kann.

Denn sonst entpuppt sich 3D-Secure in der Tat als Conversion-Killer.

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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E-Business&E-Commerce 19 Jan 2012 11:16 pm

Blacksocks gilt als einer der E-Commerce Pioniere in der Schweiz. Nicht nur ist Samy Liechti bereits 1999 in den Onlinevertrieb gestartet. Auch sein Socken-Abo Dienst ist einer der wenigen E-Commerce Abonnement-Konzepte, denen langfristig erfolgt beschieden scheint.

Gemäss heutiger Pressemitteilung stellte 2011 das erfolgreichste Jahr seit Bestehen dar mit wiederum zweistelligen Zuwachsraten – und einigen kuriosen Erkenntnissen:

  • Ein Drittel mehr Traffic
  • 10% der Zugriffe und 5% der Verkäufe erfolgten über mobile Devices (Smartphones und Tablets). Dies eine markante Steigerung gegenüber den im Juli publizierten Halbsjahreszahlen (7% rsp. 3%)
  • 25% der Bestellungen werden im Ausland generiert
  • der Umsatz in Deutschland konnte verdoppelt werden
  • Neukundenzuwachs: 18’000

Und, im vergangen Jahr seien bedeutend mehr Socken in der XL-Grössen 45-52 verkauft worden, wozu Liechti meint:

«Männer mit grossen Füssen haben es nicht leicht, passende Socken zu finden. Es spricht sich herum, dass wir uns auch um Männer kümmern, die auf grossem Fuss leben.»

Auch hierfür ein persönlicher Dank an Samy (der Autor trägt Grösse 47…).

Wie (leider) üblich in der Schweiz ist man mit effektiven Zahlen äusserst sparsam. Im vergangenen Sommer wurden bereits Hochrechnungen angestellt. Und bei der aktuell publizierten Zahl von 60’000 aktiven Sockenabos dürfte sich der Umsatz etwas über CHF 6 Mio. bewegen.

Interessenbindung: Carpathia hat für Blacksocks in der Vergangenheit Beratungsdienstleistungen erbracht.

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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E-Business&E-Commerce 18 Jan 2012 09:35 pm

Anfangs Woche haben wir den Swiss E-Commerce Award lanciert und bereits haben sich zahlreiche in- und ausländische Onlineshops registriert – darunter auch welche, über die wir in den vergangenen Monaten in diesem Blog berichtet haben.

Denn während den kommenden 6 Wochen kann sich jeder Schweizer Onlineshop oder vom Ausland her betriebene Onlineshop, der 2012 in die Schweiz verkauft und über eine .ch Domäne verfügt, anmelden. Die Anmeldefrist läuft bis zum 29. Februar 2012. (vgl. auch Teilnahmebedingungen).

Dieser Award, der erste seiner Art für den Schweizer E-Commerce, soll sich als Branchenauszeichnung etablieren und herausragende Leistungen im wirtschaftlich stark an Relevanz gewinnenden elektronischen Vertrieb würdigen.

Eine Jury, bestehend aus 10 Persönlichkeiten der Schweizer Online- und Handelsbranche, wird die besten Online und Mobile Shops in insgesamt 10 Kategorien würdigen; von B2B, umsatzabhängigen B2C Kategorien bis hin zu Spezialkategorien wie Mobile, Social Commerce und Visual Effects.

Mit dem Newcomer Award sollen diejenigen Betreiber geehrt werden, die in den vergangenen 12 Monaten neu in den E-Commerce in der Schweiz gestartet sind. Die Preisverleihung findet im festlichen Rahmen am ersten Messetag der neuen Internetmesse ONE am 9. Mai 2012 in Zürich statt.

Mitmachen ist Ehrensache – danke an dieser Stelle auch für den Aufruf des VSVs an seine Mitglieder.

→ Hier geht es zum Online-Anmeldeformular des Swiss E-Commerce Awards

 


Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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Interna&Jobs 12 Jan 2012 08:48 am

 

Die kleine, aber feine Mannschaft der Carpathia sucht schlagkräftige Verstärkung!

Wir suchen eine/n ausgeprägt selbständig arbeitende/n

E-Commerce Consultant (m/w – 70-100%)

Sie teilen unsere Begeisterung für E-Commerce, Mobile-Commerce und IT-gestützte Geschäftsprozesse. Kleinere Kundenprojekte wickeln Sie in Eigenverantwortung ab, bei Key Accounts und Grossprojekten unterstützen Sie die Partner tatkräftig. Zudem helfen Sie mit, Conversion-Analyse und -Optimierung als strategisches Geschäftsfeld von Carpathia auf- und auszubauen.

Daneben schreiben Sie regelmässig Blogbeiträge, Fachartikel und Fallstudien. Als Office Manager sind Sie weiter dafür zuständig, dass auf der Carpathia bei jedem Wellengang alles rund läuft.

Ihr Idealprofil

  • Studium oder Ausbildung mit höherer Weiterbildung mit Schwerpunkt Business Administration, Marketing, Verkauf oder Psychologie
  • Hohe Affinität zu elektronischen Geschäftsprozessen und involvierten Technologien
  • Mehrjährige Erfahrung mit Online- und/oder Mobile-Projekten, vorzugsweise mit Bezug zu E-Commerce (Anbieter- oder Agenturseite)
  • Sehr gute Marktkenntnisse über die verschiedenen Lösungsanbieter und Anwendungen in der Schweiz
  • Freude am direkten Kundenkontakt und an der Entwicklung neuer Produkte und Prozesse
  • Nach Möglichkeit Erfahrung mit Conversions-Analyse und -Optimierung oder starkes Interesse, sich in diesen spannenden Bereich einzuarbeiten
  • Ausgeprägtes analytisches Denkvermögen und hervorragend strukturierte Arbeitsweise
  • Sehr gute Kenntnisse und/oder schnelle Adaption an neue Anwendungen aus dem Bereich Web-Analyse, Tracking und Testing
  • Geübter Umgang mit modernen Kommunikation- und Kollaborationslösungen sowie Office-Anwendungen
  • Stilsicheres Deutsch für publizistische Arbeiten sowie einwandfreie Kundenkorrespondenz

Aussagekräftige Bewerbungen nehmen wir gerne über das Onlineformular entgegen.

Für Fragen wenden Sie sich bitte an jobs@carpathia.ch

Wir freuen uns auf Sie!

 

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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E-Business&E-Commerce 12 Jan 2012 08:28 am

Wie der E-Commerce Report der FHNW und Datatrans heute in einer Blitzumfrage vermeldet, blicken die Mitglieder des Leader Panels auf ein erfolgreiches Jahr 2011 mit einem überraschend starken Weihnachtsgeschäft zurück. Das Leader-Panel repräsentiert ein E-Commerce Volumen von CHF 1.8 Mrd.

Starkes Wachstum 2011 und überraschend starkes Weihnachtsgeschäft
Eindrückliche Zuwachsraten für das vergangene Jahr:

  • 80 Prozent der Anbieter melden gestiegene Umsatzzahlen im Vergleich zu 2010, was gemäss Studienleiter Ralf Wölfle einem mehrjährigen Trend entspreche.
  • Bei rund einem Viertel der Befragten betrug der Anstieg mehr als 25 Prozent.
  • Bei rund einem Drittel mehr als 10 Prozent.
Schweizer E-Commerce: Starkes Wachstum 2011

Schweizer E-Commerce: Starkes Wachstum 2011

Positive Zahlen werden ebenfalls zum vergangenen Weihnachtsgeschäft vermeldet:

  • Bei 70 Prozent der Antwortenden war der Umsatz grösser als 2010.
  • 38 Prozent meldeten ein Umsatzplus von mehr als 10 Prozent.
  • 19 Prozent der Antwortenden sogar ein Plus von mehr als 25 Prozent.
  • Unveränderte Umsatzzahlen oder minimale Einbussen melden insgesamt 20 Prozent der Antwortenden.

Positiver Ausblick auf 2012
Überraschend positiv ist auch der Ausblick für 2012:

  • 85 Prozent der Antwortenden erwarten auch für dieses Jahr wieder wachsende Umsatzzahlen.
  • Fast 60 Prozent der Antwortenden prognostizieren ein Wachstum von über 10 Prozent.
  • 15 Prozent erwarten gar ein Plus von mehr als 25 Prozent.
  • Einen gleichbleibenden oder sinkenden Umsatz erwarten nur 16 Prozent der Antwortenden.

Beschleunigt werde das Geschäft laut den Studienteilnehmern nicht zuletzt durch das mobile Internet, dessen Nutzer immer zahlreicher werden.

Schweizer E-Commerce: Positiver Ausblick auf 2012

Schweizer E-Commerce: Positiver Ausblick auf 2012

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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E-Business&E-Commerce 10 Jan 2012 10:17 pm

Die Credit Suisse hat heute ihren Retail Outlook 2012 veröffentlicht. Unter dem Titel “Unsicherheit und Einkaufstourismus bremsen Detailhandel” vermitteln die Banker dem Schweizer Retail ein wenig rosiges Bild. Zum einen macht die aktuelle konjunkturelle Lage zu schaffen, zum anderen der starke Franken, der die Schweizer vermehrt im Ausland einkaufen lässt.

Wie bereits 2010 bleibt der domestic E-Commerce praktisch unerwähnt, wobei doch bereits ganze Branchen sehr unter dem Kanalwechsel leiden (oder die Onlineplayer eben profitieren). Wobei auch die Onliner im vergangenen Jahr unter der starken Preiserosion – oder eben besser gesagt der damit zusammenhängenden Margenerosion leiden mussten:

“Die Preise gingen 2011 im Detailhandel um über 2% zurück – ein Rekord seit dem Beginn der Aufzeichnung im Jahr 1969. Die Preiserosion verschärfte den Rückgang der nominalen Detailhandelsumsätze. Der bedeutende Bekleidungsdetailhandel bremste die Branchenkonjunktur 2011 mit einem Umsatzrückgang von über 3% am stärksten. Real setzten allerdings zahlreiche Segmente des Detailhandels, etwa der Lebensmitteldetailhandel oder der Elektronikhandel, mehr Waren ab als im Vorjahr. Trotz der Stabilisierung der Wechselkurssituation rechnen die Ökonomen der Credit Suisse 2012 mit einem weiteren, wenn auch im Vergleich zu 2011 weniger ausgeprägten Preisrückgang im Detailhandel.”

Wie so oft sitzt das Böse “ennet der Grenze” und mit Bösem meint die Credit Suisse gleich zwei Dinge. Zum einen die Schweizer, die im Euroraum bedeutend günstiger zur gleichen Ware kommen.

“Der Einkaufstourismus nahm 2011 sprunghaft zu, um schätzungsweise 20% bis 30%, und belastete insbesondere den grenznahen Schweizer Detailhandel stark.”

Zum anderen den Onlinekanal, der im Gegensatz zu 2011 in der aktuellen Studie nur im Zusammenhang mit dem Einkaufstourismus so richtig zur Sprache kommt. Und Klartext sprechen denn auch die Zahlen, welche von den Retail-Beratern und Bank-Analysten ausgemacht wurden.

“Der “Einkaufstourismus” per Mausklick war jüngst zwar weniger in den Medien präsent, hat aber mittlerweile ein bedeutendes Ausmass erreicht. Der Verband des schweizerischen Versandhandels schätzte den Wert der direkt bei ausländischen Versandhändlern und Onlineanbietern gekauften Waren 2010 auf 500 Mio. CHF. Dieses Volumen dürfte 2011 im Zuge des Booms von Auslandeinkäufen deutlich gestiegen sein. Hinzu kommen ungefähr 1.8 Mrd. CHF an Importpaketen, welche die Kunden über die Schweizer Niederlassungen von ausländischen  Versand- und Onlinehändlern bestellen (brutto, ohne Retouren). Dabei handelt es sich nur um einen indirekten Abfluss von Kaufkraft ins Ausland, weil ein kleiner Teil der Wertschöpfung bei den Schweizer Niederlassungen anfällt.”

Aber es kommt noch besser. Ausgehend von den MwSt-Einnahmen aus dem grenzüberschreitenden Import-Postverkehr und hochgerechnet auf das ganze Jahr bescheinigt man ein Import-Volumen von über CHF 10 Mrd.

“Nimmt man vereinfachend an, dass die Waren 2011 alle zum Normalsatz von 8% besteuert wurden, entspricht dies einem Warenwert von 10.2 Mrd. CHF. Hinzu kommen alle Pakete, deren Warenwert innerhalb der Abgabenfreigrenze liegt.”

Aber woher nun die grosse Differenz zwischen dem Importvolumen und dem Anteil, welche dem Online-/Versandhandel mit Privatpersonen zugerechnet wird? Die Studie vermutet dies im sehr hohen Anteil an B2B-Sendungen, was auch unserer Einschätzungen entspricht.

Denn der B2B Bereich wird allgemein extrem unterschätzt. Vor einigen Jahren wurde der weltweite Anteil von B2B am gesamten E-Commerce Umsatz mit 90% eingeschätzt von der deutschen Infratest (PDF, Seite 23). Diese Verteilung widerspiegelt sich sehr gut in den heutigen Zahlen der Credit Suisse unter Berücksichtigung der Entwicklung von B2C und B2B.

Anders als 2011, wo Onlinethemen Einzug in den Outlook erhielten, ist neben den oben geschilderten Importvolumen wenig ersichtlich. Dabei genügt ein Blick durch all die aufgezeigten Schwierigkeiten und Problemzonen des Retail-Geschäfts, wo online punktet. Im Inland, wie auch durch ausländische Player, die immer weniger Berührungsängste mit dem eidgenössischen Markt haben.

Die jährliche Studie «Retail Outlook 2012» von Credit Suisse Fuhrer & Hotz als PDF-Download.

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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E-Business&E-Commerce 06 Jan 2012 09:28 am

Etwa 70% der Warenkörbe schaffen es nie durch den Checkout, dies aus verschiedenen Gründen. Lassen sich diese Kunden trotzdem reaktivieren, wenn ja wie und wann?

Von Juli bis August 2011 führte SeeWhy eine gross angelegte Studie durch und untersuchte das Kauf-Verhalten von mehr als 260’000 B2C E-Commerce-Transaktionen von 617’000 Besuchern in verschiedenen US-Online Shops. Der Hauptfokus wurde auf die Kunden gesetzt, die den Warenkorb zwar gefüllt haben, den Shop aber vor dem Kauf verliessen (“Cart Abandonment”).

Die Antwort steht ja bereits deutlich im Beitrags-Titel: Ja, Kunden lassen sich reaktivieren und es lohnt sich! Dabei wird unterschieden, ob der Kunde in den letzten 28 Tagen einmal oder mehrmals einen Shop ohne Kaufabschluss verlassen hat:

48% der Kunden, die in den letzten 28 Tagen einen Kauf mehr als einmal abgebrochen haben, lassen sich mit Remarketing 2.6x eher doch noch zum Kauf animieren und stellen somit eine sehr interessante Käuferschaft dar.

Versandkosten als Abbruchfalle Nr. 1

Die Studie stellt auch fest, dass Kunden sehr sensibel reagieren, wenn der Shop einen Mindestbetrag für eine portofreie Lieferung definiert.

Die höchste Abbruchrate förderte die Grenze bei $ 100. Dies liegt vor allem daran, wenn die Portokosten im Verhältnis zum gekauften Produkt zu hoch sind – sind die Portokosten gleich hoch wie das Produkt selbst, liegt die Abbruchquote bei 100%. Eine Lösung dieses Problem zu entschärfen: Einfügen von Paket-Beilagen mit Gutscheinen und Angeboten.

Die ganze Studie kann kostenlos online bestellt werden.

Erik Beyer

Erik Beyer ist Spezialist für E-Business und E-Commerce-Projekte mit Schwerpunkt Marktrecherchen, Internet-Marketing, Projektleitung, Qualitätssicherung und Usability.

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E-Business 04 Jan 2012 12:57 pm

Auch im E-Commerce zwischen Unternehmen greifen aktuelle Trends. Konversionsoptimierte Online-Shops werden zunehmend mit Apps für mobile Endgeräte ergänzt. Es gibt erste Versuche, Geschäftsmodelle des Social Commerce für das B2B-Umfeld zu adaptieren.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift M&K kommen wir zu folgendem Fazit:

  • B2B-Käufer sind Profis. Der Bedarf kommt vor dem Bedürfnis. Emotionen sind weniger wichtig als im B2C. Conversion-Rate-Optimierung muss mindestens teilweise an anderen Hebeln ansetzen.
  • Integration bedeutet Effizienz. Auch wenn B2B-Integrationen bis heute nur schwach standardisiert sind: Es gibt Onlineplattformen wie die von Kaiser und Kraft, die neben E-Shops für verschiedene Länder in verschiedenen Sprachen ein umfassendes Portfolio an Export- und Integrationsfunktionen bereitstellen.
  • Smartphone- und Tablet-Apps spielen im B2B ihre Stärken besonders aus. Ob besserer E-Reader mit Shopintegration wie bei CONRAD oder komplett unabhängige, sogar offline funktionierende Shopping-App wie bei Winterhalter+Fenner – der Kunde kann auch unterwegs auf Unterstützung zählen.
  • Social Commerce goes B2B. handelsdeal.de, OrderWithMe, Restocker oder insideofficesupply adaptieren Konzepte wie Group Buying, Groupon oder Subscription Commerce für die Geschäftswelt.

M&K-Artikel “Trends im B2B E-Commerce: Mobile Apps, Conversion und Social Media” herunterladen (PDF)

Daniel Ebneter

Senior Consultant und Partner bei Carpathia Consulting, Unternehmensberatung für E-Business und Dozent für E-Commerce und Online-Marketing.

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E-Business&E-Commerce&Trends 01 Jan 2012 12:05 am

Unsere E-Commerce Trends gehören jeweils zu den beliebtesten Blogbeiträgen. Daher haben wir wiederum für die Branche, die Shopbetreiber, geplante Referate und Fachartikel die für uns wichtigsten 10 E-Commerce Trends für das Jahr 2012 bestimmt:

Die Carpathia E-Commerce Trends 2012 sind:

  1. Kein Heimatschutz mehr im E-Commerce
  2. Conversionsoptimierung und ROI
  3. Konzepte auf dem Prüfstand
  4. Zielgruppenspezifische Shoppingkonzepte
  5. Noline Commerce ersetzt Channel Management
  6. Von der Preistransparenz zur Markttransparenz
  7. Noch mehr Erlebnis, noch mehr Emotionen
  8. Shopping-Netzwerke
  9. Mobile, Local und Social – auch beim E-Commerce
  10. Social Reloaded

In den kommenden Wochen werden wir in diesem Blog auf die einzelnen Trends näher eingehen.

Wir wünschen allen Lesern einen erfolgreichen Start ins neue Jahr!

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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E-Business&E-Commerce 31 Dez 2011 12:00 pm

Nach unserem Rückblick auf das Schweizer E-Commerce Jahr 2011 wollen wir die beliebtesten Blogbeiträge aus dem in wenigen Stunden zu Ende gehenden Jahr nicht vorenthalten.

Spannend ist diese Liste insofern, da sie das Interesse an den Themen sehr gut widerspiegelt und zeigt, was die Branche bewegt.

  1. Das sind die umsatzstärksten Schweizer Onlineshops 2011
  2. Wann kommt Zalando in die Schweiz?
  3. Media Markt startet in der Schweiz in den E-Commerce
  4. Die wahren Treiber beim Kaufentscheid sind die Emotionen
  5. Grieder steigt bei fashionfriends.ch ein
  6. Amazon Stores: E-Commerce-Pionier will Filiale in der Schweiz eröffnen (ACHTUNG, dies war ein 1. April Scherz!)
  7. Zalando Schweiz ist gestartet – wird nun alles anders in der online Fashion Branche?
  8. Birchbox – die krampfhafte Suche nach dem nächsten Killerkonzept
  9. Gelungener Relaunch von Freitag.ch – dem Unikate-Onlineshop
  10. Onlinehandel Schweiz – Studienergebnisse

Das sind die die Beiträge des Jahres 2011 mit den meisten Zugriffen. Bemerkenswet ist auch, dass es unser 1. April Scherz doch auf den 6. Platz geschafft hat – das legt die Latte wohl hoch für das kommende Jahr ;-)

Rein rechnerisch würden einige Beiträge aus früheren Jahren ebenfalls in diese Top-10 gehören, da diese sich auch 2011 grosser Beliebtheit erfreuten. So u.a. die Konsolidierung von Digitec unter dem Dach von Galaxus und der Start von DeinDeal, beide aus dem Jahr 2010. Nicht auszurotten scheint wiederum ein eigentlicher “off topic” Beitrag aus dem Jahr 2007 zur Usability in Kontaktformularen, der auch 2011 am drittmeisten Zugriffe verzeichnete. Es scheint, als sei dies nach vor ein heisses Thema bei Google.

Bedanken möchten wir uns wiederum bei unseren deutschen Kollegen von ecommerce-lounge.deexcitingcommerce.dehandelskraft.de sowie dem  shopbetreiber-blog.de für das regelmässige Verlinken und dem Traffic aus unserem nördlichen Nachbarland.

 

Thomas Lang

Geschäftsführer und Inhaber der Carpathia Consulting GmbH, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für E-Business und E-Commerce. Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Onlinevertriebskanäle sowie Referent an Konferenzen zum Thema E-Commerce.

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