Amazons erdrückende Dominanz in der westlichen Welt

0
1041

Die deutsche Wirtschaftswoche hat einen Blick auf Amazons Dominanz in den USA geworfen, wo Bezos‘ Company knapp die Hälfte der E-Commerce Umsätze für sich verbuchen kann.

Alleine in den vergangenen Jahren konnte Amazon seinen Anteil am Onlinehandels-Markt der USA von 38% auf 49% steigern, der sich gesamthaft auf USD 252 Milliarden beläuft. Amazon macht damit mehr als doppelt so viel Umsatz wie die nächsten neun Mitbewerber zusammen, darunter Ebay, Walmart, Best Buy und Apple.

Amazon hält knapp 50% an den Umsätzen im Onlinehandel der USA - Quelle: Visual Capitalist
Amazon hält knapp 50% an den Umsätzen im Onlinehandel der USA – Quelle: Visual Capitalist

Diese Dominanz ist noch stärker zu gewichten wenn man sich vor Augen führt, dass die USA eigentlich das Retail-Eldorado schlechthin sind mit uneingeschränkten Öffnungszeiten und grösstflächigen Angeboten in den stationären Ladengeschäften, Supermärkten und Mega-Malls.

Service- und Erlebsnisangebote kommen obendrauf, wo man hierzulande erst in Ansätzen davon träumt. Und dennoch ist der Druck, den Amazon auf das stationäre Geschäft gerade in den USA ausübt enorm. Wie kommt das?

Ich bezeichne die USA als meine zweite Heimat, habe über 5 Jahre gesamthaft dort gelebt und bin jedes Jahr vor Ort und schaue mir die aktuellen Entwicklungen an. Ähnlich Nils Seebach, der in seinem Blog Digitalkaufmann „Geständnis eines Amazon-Fanboy“ die Retailsituation in den USA im Vergleich zu Deutschland aufgrund regelmässiger Besuche der grossen US-Retailketten kürzlich wie folgt beschrieben hat:

Dadurch wird mir immer wieder vor Augen geführt, wie lächerlich der stationäre Retail in Deutschland eigentlich aufgestellt ist. Target und Walmart ermöglichen es ihren Kunden hierzulande, an eine schier unglaubliche Produktvielfalt zu kommen. In USA kann man sich zu vernünftigen Preisen mit wirklich allem eindecken und der Konsument erhält ein One-Stop-Retail-Konzept, das wenig zu wünschen übrig lässt.

Und weiter.

Zum Beispiel gibt es weiterhin genug Parkplätze und (..) livrierte Tütenträger, die einem die zuvor bestellte Ware ins Auto bringen (oder aber gleich an die Haustür liefern). Cosco lässt die Metro wie einen Kindergarten aussehen und begeistert nicht nur mit unendlicher Produktauswahl, verschiedenen Gebindegrößen und tollen Eigenmarken, sondern macht auch klar, dass sich die Erträge lediglich aus den Mitgliedsgebühren speisen und ansonsten die Produkte an den Konsumenten ohne Gewinn(marge) weitergegeben werden.

Und trotz aller dieser Vorteile laufen die stationären Kunden je länger je mehr zu Amazon über, weil deren Angebot offensichtlich noch besser ist. Die Dominanz ist erdrückend oder wie Nils zusammenfasst:

Somit hat Amazon nicht nur nichts zu befürchten, sondern hat in einem der am Härtesten umkämpften Märkten der Welt gezeigt, wem Konsumenten jetzt und in der Zukunft vertrauen.

Und es ist genau dieses nahezu bedingungslose Vertrauen der Konsumenten in Amazon, das das Wachstum gepaart mit den Innovationen beflügelt und in weitere Branchen vordringen lässt. Die Akquisition von Wholefoods im vergangenen Jahr (Die USD 13.7 Milliarden Akquisition von Whole Foods und sieben strategische Optionen), die Entwicklung des kassenlosen Supermarkt-Konzepts AmazonGo wo gerade diese Woche nach anfänglichen Schwierigkeiten der dritte Laden desselben Konzepts in Seattle die Tore geöfnet hat. Das aktuelle Engagement im Gesundheitsbereich und der Aufbau von Apotheker-Services wie dem Medikamentenversand und vielem mehr.

Und das war nur die Retailsparte wo man doch genau weiss, dass Amazon genau so stark in den Bereichen Computer-Technologie (Cloud, KI, Voice uvm), Fulfillment (FBA u.a.), oder auch Marketing ist, wo gerade wenn es um Produkte geht, Google AdWords der Kampf angesagt wird. Und Jeff Bezos‘ Ambitionen in der Finanzbranche sind bekannt – eine Amazon Bank wäre garantiert um Faktoren effizienter als die heute etablierten Finanzinstitute.

Oder Last-Mile-Logistics, wo Amazon gerade 20’000 Mercedes Sprinter für die Zustellung erworben hat (20% der Flottengrösse von UPS) und damit auf einen Schlag Mercedes‘ grösster Sprinter-Kunde. Klar, hat da die Aussage vom Amazon-Verantwortlichen bei Mercedes für Applaus gesorgt:

Wir wollten eigentlich nur 5’000 Sprinters bestellen. Aber jetzt wollen wir doch lieber 20’000.

Wie ist die Dominanz in der Schweiz zu spüren?

Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns in der Schweiz glücklich schätzen können, weil Amazon nach wie vor diese Dominanz nicht hat oder wir das Pech haben, an den aktuellen Entwicklungen nur teilweise partizipieren zu können.

Dass der angekündigte Markteintritt von Amazon in der Schweiz kaum so heiss gegessen wird, wie die Suppe gekocht wurde (Amazon und die Schweiz oder wenn die Nerven blank zu liegen scheinen) und es nach allen heute bekannten Vorzeichen und Gegebenheiten alles andere als „schlimm“ wird (unbeantwortet bleibt die Frage; schlimm für die Händler, die Wirtschaft oder die Kunden?), wissen die regelmässigen Leser dieses Blogs. Sonst gibt es hier eine Auswahl entsprechender Beiträge.

Denn von einem eigentlichen Markteintritt kann nach wie vor nicht die Rede sein, was zumindest für mich nachvollziehbar ist. Die Schweiz ist auf der Amazon-Landkarte mit Verlaub nur ein Fliegenschiss plus mit Mehrspachigkeit, eigener Währung, Gewichtszoll und mehr nur beschränkt interessant. Insbesondere auch, wenn man die Eidgenossen prima aus den umliegenden Ländern mit bestehender Infrastruktur bedienen kann und auch so aufs Treppchen der umsatzstärksten Onlineshops der Schweiz kommt.

Schweizer Post und Amazon

Letzte Woche hat der Interims-Chef der Schweizer Post Ulrich Hurni erstmals öffentlich Stellung genommen zur sogenannten Kooperation mit Amazon. Und er bestätigt, was schon lange klar ist.

Amazon ist schon seit Jahren ein Kunde von uns.

Da Amazon die Schweiz aus verschiedneen Logistikzentren in den Nachbarländern und von weiterher bedient, seien die Pakete bislang über verschiedene Wege und Verzollungsmethoden in die Schweiz gelangt. Neu bietet die Post Amazon eine Gesamtlösung an für Transport, Verzollung und Zustellung auf der letzten Meile. Also dasselbe, was man seit vielen Jahren für Zalando, LaRedoute und zahlreiche deutsche Versandhändler macht.

Auch Hurni geht nicht davon aus, dass Amazon in der Schweiz zur Grossoffensive bläst und gibt Entwarnung:

Die Mengen, die über die neue Lösung bearbeitet werden, sind bisher noch nicht riesig.

Ich gehe davon aus, dass sie in der kommenden Zeit in erster Linie wohl ihre Präsenz in grösseren Märkten wie Deutschland und England weiter ausbauen.

Die Mengen sind unter anderem nicht riesig, weil nur Amazon Eigensortimente über die neue Lösung laufen. Wie Jan Bomholt von MeinEinkauf jedoch an der Connect – Digital Commerce Conference darlegte, stammt etwa die Hälfte aller Pakete von Amazon Marktplatz-Händlern und die müssten über eine eigene Lösung mit der Post verfügen.

Nichtsdestotrotz bietet Amazon durch diese digitale Verzollung gerade für Marken, Hersteller bis hin zu Distributoren und Grosshändlern faszinierende und interessante neue Vertriebs- und Marktbearbeitungsmöglichkiten. Mehr dazu in unserem Amazon Competence Hub Schweiz.

Zalando ist übrigens nach wie vor der mit Abstand grösste Paketkunde der Post (15.2 Mio Pakete inkl. Retouren, so unsere Schätzung für 2017) und wächst weiterhin stark. Und die Post investiert gerade in drei neue regionale Paketzentren.

Und überhaupt, der Titel dieses Artikels heisst nicht umsonst, dass Amazon die westliche Welt dominiert. Denn was dem Schweizer Handel viel grössere Sorge bereiten sollte ist die Unmenge an Paketen aus China, die täglich in die Schweiz kommen. Letztes Jahr waren es rund 45’000 pro Tag. Dieses Jahr soll es erneut ein Wachstum von 30% geben, was dann rund 60’000 Sendungen – grösstenteils falsch deklariert und unverzollt – alle 24 Stunden macht.

Und wenn man verfolgt, welche Ambitionen aktuell JD und Alibaba für Europa zeigen, dann wäre das weitaus mehr Grund zur Beunruhigung. Alibaba hat beispielsweise laut der t3n gerade seine Logistikkapazitäten alleine in Deutschland verdreifacht.

West und Ost scheinen Europa fest im Griff zu haben.

Druck der Plattformen aus Westen (GAFA) und Osten (TAB) – Grafik: Carpathia
Druck der Plattformen aus Westen (GAFA) und Osten (TAB) – Grafik: Carpathia


Nichts mehr verpassen! Dann machen Sie es wie bereits aktuell 5329 andere Leser. Verpassen Sie keinen Beitrag mehr und erhalten Sie jeden Sonntag ab 16 Uhr alle Artikel der aktuellen Woche per E-Mail bequem in Ihre Inbox geliefert.

E-Mail Adresse erfassen genügt.


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT