Wie Online-Lebensmittelhändler massiv neue Kapazitäten schaffen #efood

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Die Online-Lebensmittelhändler kamen nach dem Lockdown als erste an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Shopplattformen mussten technisch stark aufgerüstet werden, dennoch waren seit geraumer Zeit kaum Lieferfenster verfügbar.

Der Grund – ähnlich wie bei der Post  – sind die Kommissionierkapazitäten und nicht unbedingt die Zustellressourcen. Die heutige Infrastruktur ist nicht ausgelegt auf ein Wachstum von über 100%, das zum einen quasi über Nacht kam, zum anderen in dieser Dimension nicht vorhersehbar war, auch wenn die beiden Grossverteiler eine neue Ernsthaftigkeit im Online-Food-Handel angekündigt haben.

Mittlerweile haben die beiden in der Schweiz dominierenden Online-Lebensmittelhändler ihre Kapazitäten ausgeweitet wie auch Farmy, die Nummer drei.

LeShop verstärkt Zusammenarbiet mit den grossen Migros-Verteilzentren

Die Nummer 1 im Online-Lebensmittelhandel der Schweiz LeShop sieht sich nach wie vor einer enormen Nachfrage gegenüber. Um dieser zu begegnen, hat die Migros-Tochter mehr Personal eingestellt,  Büro-Mitarbeitende im LeShop-Verteilzentrum eingesetzt, Zusatzschichten und Sonntagsarbeit umgesetzt und mehr Transporte eingesetzt um die Kapazität auszubauen.

LeShop CEO Katrin Tschannen weiter:

Mit einer verstärkten Zusammenarbeit mit den grossen Migros-Verteilzentren konnten wir zudem die Lagerflächen und Warenbestände erhöhen.

Als Nachbarschaftshilfe 2.0 hat die Migros kürzlich die Social-Shopping Plattform Amigos wieder reaktiviert und in Zusammenarbeit mit der Pro Senectute eine Lösung für die Risikogruppen geschaffen. Bis heute seien bereits über 10’000 Bestellungen an Menschen aus Risikogruppen nach Hause geliefert worden, laut Katrin Tschannen.

Coop@Home erhöht Kapazität massiv mit zusätzlicher 6000m2 Lagerhalle

Auch bei der Nummer 2 Coop@Home ist das Bestellvolumen seit Wochen sehr hoch. Liefertermine sind, wenn überhaupt, erst in 10 Tagen auffindbar. Erste Abhilfe schuf das Top-100 Sortiment, für das vor knapp zwei Wochen ein neues Zentrallager aufgebaut wurde. Offenbar hat dies immer noch nicht gereicht, um die Nachfrage zu decken.

Laut der LuzernerZeitung hat Coop@Home diese Woche eine weitere 6000 Quadratmeter grosse Lagerhalle beim Logistiker Galliker in Betrieb genommen und damit seine Kapazitäten nochmals stark ausgebaut. Damit soll die Kapazität um weitere 10’000 Bestellungen pro Tag erhöht werden.

Provisorisches 6000m2 Lager von Coop@Home bei Galliker Logistik / Foto: Nadia Schärli Luzerner Zeitung
Provisorisches 6000m2 Lager von Coop@Home bei Galliker Logistik / Foto: Nadia Schärli Luzerner Zeitung

Galliker stellt dazu 120 Mitarbeitende zur Verfügung, viele von ihnen konnten dadurch aus der Kurzarbeit zurückgeholt werden. Coop liefert die Ware an, Galliker kommissioniert aus dem Top-100 Sortiment und gibt die Pakete der Post weiter. Dadurch können den Kunden wieder mehr Lieferfenster und kürzere Lieferzeiten angeboten werden.

Zusätzlich wird mit coop65 ein kostenloser Hauslieferdienst für Menschen über 65 Jahren angeboten. Bestellt wird per Telefon oder E-Mail in den Coop City Warenhäusern und Coop Supermärkten in verschiedenen Städten. Freiwillige Helferinnen und Helfer des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) liefern die Bestellung am nächsten Werktag kostenlos nach Hause.

Farmy baut auf das fünffache Volumen aus

Auch bei Farmy wird im Mehrschicht-Betrieb gearbeitet und neues Pesonal eingestellt um den Risikogruppen zusätzliche Liefertermine anzubieten. Zwischen Februar und März wurden die Kapazitäten verdreifacht, im April wird das Volumen im Vergleich zu Februar verfünffacht wie nachfolgende Grafik zeigt.

Kundenverhalten und Kapazitäten bei Farmy im Verlauf der Corona-Krise / Quelle: Farmy.ch
Kundenverhalten und Kapazitäten bei Farmy im Verlauf der Corona-Krise / Quelle: Farmy.ch

Ende März hat Farmy die Kampagne “Farmy für Risikogruppen” lanciert, welche zusätzliche, frühere Liefertermine für Menschen reserviert, die zur Corona-Risikogruppe gehören. Weiter verhindert Farmy Hamsterkäufe, indem besonders krisenkritische Produkte auf bestimmte Mengenzahlen pro Bestellung beschränkt werden.

Online-Lebensmittelhandel bleibt komplex und herausfordernd. Die drei Beispiele zeigen, wie die Kapazitäten kontinuierlich ausgebaut werden um der enorm gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden.

Es bleibt zu hoffen, dass die Nachfrage hoch bleibt auch wenn sich die Corona bedingte Situation wider normalisiert hat. Auf jeden Fall dürfte sich der für das letzte Jahr ermittelte Onlineanteil bei Food in der Schweiz von 2.8% nachhaltig erhöht haben.



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Thomas Lang, Betriebsökonom und Wirtschaftsinformatiker, unterstützt Unternehmen bei der Strategieentwicklung von digitalen Vertriebsmodellen, beim Aufbau von digitalen Geschäftsmodellen, bei Expertisen rund um Onlinehandel und der operativen Umsetzung im Bereich Organisation, Prozesse, Innovation, Change-Management und Unternehmenskultur. Er ist Gründer und Geschäftsführer der Carpathia AG, der unabhängigen und neutralen Unternehmensberatung für Digital-Business, E-Commerce und Digitale Transformation im Handel. Zudem ist er Autor von zahlreichen Fachartikeln und -studien, Dozent für Online-Vertriebsmodelle an verschiedenen Hochschulen sowie gefragter Keynote-Speaker zu E-Commerce und Digital Transformation im Handel. Er ist Initiator und Organisator der Connect - Digital Commerce Conference sowie des Digital Commerce Awards. Der von ihm gegründete Carpathia Digital-Business-Blog (https://blog.carpathia.ch) zählt im deutsch-sprachigen Raum zu den wichtigsten unabhängigen Publikationen im Digitalen Handel. Medien bezeichnen ihn als digitalen Vordenker, zitieren und interviewen ihn regelmässig .

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