Aus für PCP-Gruppe mit STEG-Electronics – Einschätzung zu den Hintergründen

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Am Freitag 8. September 2023 hat die PCP.COM Gruppe, Betreiberin der Marken STEG Electronics, Techmania und PC-Ostschweiz ohne Vorankündigung alle Onlineshops und Filialen geschlossen und via Pressemitteilung bekanntgegeben, ihre Bilanz aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in den nächsten Tagen deponieren zu müssen.

In folgendem Kurzinterview mit dem Magazin Swiss IT Reseller geben wir unsere Einschätzung zu den Hintergründen der Unternehmensschliessung. (Beitrag auf itreseller.ch)

„Swiss IT Reseller“: Herr Morant, wie überraschend kam für Sie respektive für Carpathia das Aus bei der PCP.com-Gruppe?

David Morant: Insgesamt kommen Filial- und Unternehmensschliessungen im Bereich Heimelektronik im Jahr 2023 für uns nicht überraschend. Dies war eine unserer Hypothesen für dieses Jahr, über die wir im Januar in unserem Firmenblog geschrieben haben. Der konkrete Zeitpunkt allerdings war durchaus überraschend. Im Vergleich zu den Coop-Formaten Interdiscount, Fust oder Microspot und auch zu Brack.ch verfügte die PCP.com-Gruppe als unabhängiges Unternehmen über weniger Marktmacht und finanzielle Mittel.

Laut Inhaber Lorenz Weber ist es primär darum zum Konkurs gekommen, weil Allianz Trade der PCP.com-Gruppe Kreditlimiten gestrichen hat. Wie lautet Ihre Einschätzung hierzu?

Dies wird durchaus das ausschlaggebende Ereignis des Konkurses sein. Dass es aber soweit gekommen ist, hängt mit dem sehr schwierigen und tiefmargigen Marktumfeld zusammen und einer mutmasslich zu tiefen Liquiditäts- und Eigenkapitalquote. Eine teure und langwierige Herausforderung der Gruppe war die Integration des Steg-Geschäfts mit dem Filialgeschäft und anderen IT-Infrastrukturen.

Hat sich die PCP.com-Gruppe nicht in eine etwas gar grosse Abhängigkeit von Allianz Trade begeben? Was hätte das Unternehmen hier anders oder besser machen können?

Klar war die Abhängigkeit gross. Es gibt aber fast keine Alternativen auf diesem spezifischen Versicherungsmarkt. Das Problem war die tiefe Ertragskraft bei gleichzeitig hoher Kapitalintensität, sodass die Gruppe auf die Lagerfinanzierung durch die Lieferanten angewiesen war. Im Endeffekt war die Liquidität zu tief und dringend benötigtes frisches Eigenkapital konnte nicht aufgetrieben werden.

Laut Lorenz Weber wurden Gespräche mit Mitbewerbern über eine Übernahme geführt – leider ohne Ergebnis. Warum hat Ihrer Meinung nach kein Mitbewerber Interesse am Unternehmen gezeigt?

Ich kann hier nur spekulieren, vermute aber, dass das Geschäftsfeld strategisch zu wenig aussichtsreich war –in Verbindung mit einem grossen Integrationsaufwand und gegebenenfalls zu hohen Risiken und Verbindlichkeiten. Der Heimelektronik-Handel ist ein knallhartes Business mit einstelligen Margen. Da können sich nur noch ganz wenige Anbieter behaupten.

Auch ein Investor wurde vergebens gesucht. Ist ein Schweizer IT- und CE-Händler mit 100 Millionen Jahresumsatz für einen Investor schlicht zu wenig spannend?

Das ist wohl so. Die grossen Mitbewerber Digitec, Coop und Brack.ch sind in allen Bereichen besser aufgestellt. Dank höherer Volumina können sie bessere Einkaufspreise erzielen, um so am Markt kompetitiv zu sein.

Welche Auswirkungen wird das Aus der PCP.com-Gruppe Ihrer Meinung nach auf den Schweizer IT- und CE-Handel ganz grundsätzlich haben?

Die Auswirkungen werden relativ gering sein. Die 100 Millionen Franken Umsatz werden zu grossen Teilen auf die verbleibenden grossen Händler Digitec, Microspot und Interdiscount sowie Brack.ch verteilt. Alltron als grösster Schweizer Distributor im Bereich Heimelektronik wird mutmasslich Umsätze verlieren. Als Teil der Competec-Gruppe gibt es da wohl eine Verschiebung zum eigenen B2C-Kanal Brack.ch.

Aus für PCP-Gruppe und STEG-Electronics
Betrieb eingestellt, Quelle: SRF


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